Journal Apps für das iPad brauchen ein völlig neues Design. Klassische Print- und Web-Formate lassen sich nicht einfach auf den Tablet-PC übertragen, denn die User erwarten mehr intuitive Bedienung und iPad spezifisches Design.
Das ist das Fazit unserer aktuellsten User Experience Studie, in der wir die iPad Apps von Abendzeitung Nürnberg, Spiegel, Vogue, The Iconist und Wired ins Rennen um die Gunst der User schickten.
Testsetting und Methoden
Die zwölf Studienteilnehmer hatten allesamt keinerlei Vorerfahrung im Umgang mit dem iPad. Sie konnten sich 30 Minuten lang frei mit den fünf verschiedenen eJournal Apps befassen.
Ihr Nutzerverhalten wurde auf Video aufgezeichnet. Außerdem kamen die impliziten Methoden Eye Tracking, Hautleitwert- und EEG-Messung zum Einsatz. Im Anschluss an diese Verhaltensbeobachtung wurden die User in einem qualitativen, Fragebogen-gestützten Interview befragt, um ihr Nutzungsverhalten besser zu verstehen.
Ergebnisse: fehlende Standards und verschenktes Potenzial
Aktuell sind drei Sorten von eJournal-Apps auf dem Markt: der Papier-Typ, z.B. Abendzeitung Nürnberg, der Hybrid-Typ wie die Spiegel-App und der iPad-optimierte Typ z.B. The Iconist oder Vogue.
Die „Papier“-App hält im Design am Gutenberg-Format fest und überträgt das Print-Layout nahezu vollständig auf den Tablet-PC. Die Seiten sind aufgebaut wie im Print-Produkt – jedoch sind die Schriften zu klein für das Lesen am Bildschirm und beim Zoomen verlieren die User leicht die Orientierung.
Hybrid-Apps enthalten in Aufbau und Design sowohl Elemente einer Papier- als auch einer Web-Version: Inhaltsverzeichnisse sehen aus wie Websites, für die Bedienung werden Buttons und Navigationshilfen eingesetzt, einzelne Artikel zeigen jedoch ein Layout wie gedruckt. Die User zeigen sich enttäuscht, dass sich hinter einer zunächst grafisch ansprechenden Übersichtsseite ein textlastiger Artikel ohne zusätzliche Features verbirgt.
Die getesteten Apps nutzen zwar Internet-Metaphern und orientieren sich an iPhone Apps, sind jedoch nicht vollständig an das neue Device iPad angepasst. Damit verschenken sie ihr großes Potenzial, könnten allerdings stark gewinnen, wenn sie sich künftig noch stärker den Möglichkeiten des iPad öffnen.
Intuitiv erlernbar und Bedienung mit Spaß
iPad-optimierte Apps, bieten den Usern dagegen viele interaktive Elemente und die Möglichkeit Inhalteindividuell anzupassen: so können die Nutzer den Text eines Artikels einfach mit dem Finger aus dem Bild schieben, um das vollflächige Foto besser betrachten zu können. für die Tespersonen zwar neu, aber schnell erlernbar.
Da die Bedienung nicht mehr über Navigationselemente läuft, sondern unsichtbar in der direkten Interaktion mit dem Content, stoßen die User häufig per Zufall auf eine neue Funktion, die sie dann spielerisch erlernen. Die Bedienung selbst macht also Spaß – ganz unabhängig vom Inhalt.
Werbung wurde von den Testpersonen in diesem Nutzungsumfeld auch häufiger betrachtet, vor allem Video-Werbung wurde angesehen und als unterhaltsam eingestuft.
Fazit: Funktionen ausschöpfen und Stress abbauen
Gewinner der Studie sind die eJournal-Apps, die das neue Format iPad besser verstehen und sich auf die neue Interaktionsumgebung einlassen: Sie bieten die Möglichkeit Bild und Text getrennt voneinander nach individuellen Wünschen zu nutzen, betten Werbung in Form witziger Videos intelligent ein und nutzen das Potenzial des iPad mit einer Vielzahl neuer, unsichtbarer Interaktionsmöglichkeiten. Sie lassen sich intuitiv bedienen und erzeugen dadurch weniger Stress.
eJournal Apps, die ein Print- oder Web-Layout lediglich auf das iPad übertragen, nutzen diese Potenzial nicht aus und frustrieren die User eher. Hier kann durch eine stärkere Öffnung den Möglichkeiten des iPad gegenüber noch optimiert werden.
